Flug von Armin Harich am 16.06.2013
Flugeigenschaften
Armin Harich
Pilot: Armin Harich
Verein: Pfälzer Gleitschirmclub
Team: Uffdreher
Fluggerät:
Skywalk Chili 3 M  
Geräteklasse:
  GS Sportklasse (bis DHV 1 und 1-2 od.EN/LTF A+B)
Flugaufgabe:
JOJO  
Flugstatus: (In Wertung)
Startplatz: 11:47 Uhr  -  Schriesheim/Ölberg Start (SW-W)
Landeplatz: 19:21 Uhr  -  Grub am Forst - DE[~1,77km]
Flugzeit: 7:34
Strecke: 196,9 km
Punkte: 541
Höhe min/max (GPS): 330m / 1801m
Steigen min/max: -11,7m/s / 7,7m/s
Geschwindigkeit max: 116,0km/h
Ø Geschwindigkeit: 39,0km/h
Aufgaben-Geschwindigkeit: 26km/h
IGC:
GoogleEarth:
Eingereicht am: 17.06.2013 00:05:46
Flugbericht
Anbei wieder ein Flugbericht. Bilderserie vom Flug >150 sind auf meiner Dropbox ein paar Tage lang verfügbar: https://dl.dropboxusercontent.com/u/6590686/Bilder%20Schriesheim%20197%20km.zip?dl=1
Auf http://xc.dhv.de/xc/modules/leonardo/index.php?name=leonardo&op=show_flight&flightID=420261 sind auch noch 12 Bilder.

Doch fangen wir von vorne an. Ich hatte schon einige Tage vorher den Sonntag als den besten Tag der Woche im Auge für freie Strecke. Donnerstag konnte ich noch ein kleines 62km Dreieck fliegen, bevor es abschattete. Final war der Sonntag dann mal wieder nicht ganz so gut wie angekündigt.

Ich schrieb abends bei der Frankfurter Gleitschirm Facebook Gruppe:
„Es müsste extrem zerrissen sein von der Thermik. Der Bodenwind und 1500m Wind ist um 30 km/h unterschiedlich in der Stärke und dann noch 90Grad Winddreher drin. Das sieht man nur, wenn man den Wind vor der Durchmischung durch Thermik anschaut. Danach rechnen die Modelle ja einen Mischwind daraus, was im Schnitt ja stimmt aber den Windgradient verheimlicht.

Man wird wohl mind 3 Bärte brauchen um überhaupt an die Basis zu kommen, weil es die Bärte immer abhackt. Dafür wird es aber wohl satt bockig werden. Also Vorsicht.“

Als ich morgens um   0800 Uhr aus dem Fenster schaue ,ist zusätzlich alles voll mit hohen Wolkenfeldern. Ich überlegte schon gar nicht mehr zum Fliegen zu gehen und lieber an meinem experimental Proto weiter zu arbeiten. Aber wir trafen uns dann doch wie geplant um 10:00 Uhr in Schrießheim und Fritz Reinheimer, der Gute, fuhr uns 9 sogar noch schnell hoch.

Angekommen gab es noch ein paar Einweisungen, damit auch keiner sich vor einen Jet im Landeanflug wirft. Der erste Segelflieger flog direkt auf Startplatzhöhe vorbei. Kein gutes Zeichen. Ich wartete, bis die hohen Wolkenfelder 10 Min Sonne durchließen und keine neue Abschattung die Thermik gleich wieder für die frühe Uhrzeit zusätzlich abschwächen würde. Keiner wollte mit mir starten, so startete ich wie ich es gewohnt bin alleine. Wenn ich denke, es könnte gehen starte ich einfach. Ich konnte mich wie erhofft gerade so an der Südseite halten und sogar leicht aufdrehen. Scheinbar hat keiner auf http://www.livetrack24.com/tracks/username/arminharich oder http://livexc.dhv1.de/live_track_users.php?username=arminharich mitverfolgt, dass es schon trägt.Bei meiner GoPro BlackEdition musste ich in der Luft erstmal wieder den Akku wechseln, bis sie die Arbeit brauchbar aufnahm.
Ich flog mit 3 Segelflieger um mich herum direkt weiter in den Dossenheimer Bart und wir tanken zusammen weiter Höhe. Hier geht es meist am besten hoch. Die Wolken markierten den Aufwind klar.
Sie fliegen die Kante weiter ohne Steigen und ich fliege mit 700m einfach los. Ich weiß, das ist frech . Aber wer weit fliegen will muss halt früh los fliegen und mir macht es Spaß früh zu fliegen.
Die Luft ist noch recht ruhig und ganz anders, als von mir erwartet ,doch noch sehr turbulenzarm.
Das ist mir beim Einflug in den Odenwald natürlich recht.
Leider trägt keine der Südseiten und ich fliege ins Tal über die Nordflanke weiter. Ich weiß von meinen letzten Überflügen, dass hier ein guter Notlandeplatz ist (siehe Bild). Auf den spült es mich auch gleich heftig runter ohne dass ich mich wie ich schon befürchtete irgendwo festbeissen kann. Der Notlandeplatz taucht auf und sieht wirklich brauchbar aus. Die Straße führt auch direkt zurück nach Schriesheim. Das ist doch schon mal was. Naja für den Endanflug kann ich zumindest noch ausholen und versuche mein Glück weiter hinten im Tal. Die ca. 100m über Grund langen und ich ziehe ein Bart raus. Es hat schon Vorteile, mit einem Gleitschirm. Mit einem Drachen wollte ich da mit Sicherheit nicht landen und man könnte oft nicht so tief fliegen. Das muss man bei der Gleitzahl ja auch nicht.?Ich versuche nun alles Steigen optimal mitzunehmen. Da die Bärte durch den Wind und das Tal sehr zerrissen sind, versetze ich sehr oft im Bart und folge meinem Gefühl, wo es wieder besser sein könnte. Ein Super Training. Ich kurbel eine halbe Stunde, schaffe es aber mit vielen Bart wechsel 10km entfernt von meinem Loch in einem bis zur Basis durchzusteigen. ?Super, es geht also doch irgendwie. Ein Beinahabsaufer gleich am Start läßt einen wach werden und den Flug um so mehr genießen. ?Ich fliege auf maximales oben bleiben. Oben schiebt der Wind eh besser und bei dem zähen Steigen wird man auch nicht schneller, wenn man es weg speedet.
Ich hangle mich gut bis zum Flugplatz in Michelstadt. Doch es schiebt mich zu weit nach Norden und ich würde in die zu tiefen Ausläufer der CTR Frankfurt geraten. Der Segelflugsektor Koordinator in Aschaffenburg ist leider per Flugfunk nicht erreichbar. Also hangle ich mich zu den Südflanken von Mainbula Flugplatz vor und Kreise wieder mit einem Segelflieger. Ich melde mich beim Flugplatz an. Die Fallschirmspringer wollen gleich springen. Der Bart würde mich direkt über den Platz versetzen. Ich bekomme leider keine Genehmigung weiter zu drehen und muss weiter fliegen. Ich brauche aber Höhe, um über den Main zu kommen. Ich hatte eigentlich geplant hier zu queren und über den hohen Grat des Spessarts Richtung Wasserkuppe zu fliegen. Die Strecke kenne ich schon von einem Flug. Sie ist von den Landeoptionen aber nicht so reichlich ausgestattet und an so einem Tag wo man oft mal tief kommen kann und es teilweise richtig abwärts geht, muss das nicht sein. Man kann nicht mehr frei und lange genug nach Thermik suchen und würde zu schnell absaufen.
Ich entschließe mich die Route südlich des Mains zu nehmen. Hier sind bessere Landemöglichkeiten um ,wenn ich tiefer komme noch lange freier agieren zu können. Es hat im Süden auch weniger abschirmende Wolkenfelder. Die nun weniger als 1/8 Cumulus zeigt, das es hier zumindest nicht schlechter gehen sollte. Aber einfach sieht natürlich ganz anders aus.
Es gibt keine Bärte mit über 2m/s. Nur Sinken mit bis zu 4 m/s.  Ich bleibe also im Modus, dass ich versuche so hoch wie möglich zu fliegen und alles nachzentriere/suche, was ich bekomme.
Das ist auch gut so, da ich auch so langsam an Höhe verliere.
Bei Wertheim will ich mit meinen letzten 300m über Grund einen schönen Kessel anfliegen. Doch ich habe Glück und ein Vogel fliegt über mich drüber und biegt etwas nacht rechts ab und fliegt ins Steigen. Ich also hinterher und lasse meinen Chili den Bart bis 1800m ausquetschen. Inzwischen nimmt der Windgradient ab und die Bärte werden wieder zentrierbarer.
Ich kann nun auch Startplätze, die ich noch nicht beflogen habe, wie Uphar, aus der Luft anschauen.
Für NO eine Option. Ich rechne meinen Schnitt nach und stelle fest, dass es nur ca. 25km/h sind. Also kaum schneller als der Höhenwind. So kann ich meine bisherigen Flüge nicht toppen. Thermikende ist nämlich ab ca. 18:00 Uhr. Ich überlege in Wertheim an der Outlet Mall zu landen und mit meiner Freundin noch einen Shopping Sonntag anzuschließen. Aber Sonntags haben die ja zu.
Ich beschließe also an der Autobahn lang zu fliegen. Denn weiter nördlich zwischen dem Main ist es thermisch etwas schlechter. Die Route hatte ich mir schonmal für einen Schenkel von einem FAI Dreieck überlegt. Wenn ich absaufe, komme ich zusätzlich super heim.

Die erste Hälfte bis Würzburg klappt gut. Danach lösen sich die Wolken immer auf, bevor ich da bin. Naja, ich lasse es nun einfach weiter laufen. Entweder es geht jetzt vorwärts oder ich fahre im ICE von Würzburg heim. Ca. 400m über Grund am Flugplatz Hettstadt zieht es mit 2m/s an. Super. geht doch. Ich bin wieder hörbereit auf der Platzfrequenz und drehe mit einigen Segelfliegern vom Flugplatz Würzburg auf. Ein Gleitschirm ist nebendran am Groundhandeln. Da bin ich doch lieber hier oben und genieße den tollen Sonntagsausflug.
Ich gleite mit der Höhe weiter nach Rimpar. Ein schönes Örtchen mit Schloß. So einen Streckenflug im Tiefflug zu machen hat einfach auch was wirklich tolles. Eigentlich sollte man noch tiefer runter gehen. Man sieht einfach viel mehr von den Orten und der Landschaft aus nächster Nähe. Ich mache mir immer weniger Gedanken um das Zurückkommen. Der Flug macht immer mehr Spaß und ich will noch mehr sehen.
Aus meinen Tracklog Analysen im Winter weiß ich, dass südlich von Schweinfurt ein „Bermuda Dreieck“ ist das thermisch schlecht geht. Ich biege nach Norden ab, um bis Schweinfurt zu kommen. Der Ort muss sicher gehen und einen Bahnhof hat es erst recht. Die gehen ja oft thermisch. Der Untergrund und die wenigen Wolken zeigen auch den Weg auf. Ich nutze die trockenen Flächen und Abrisskanten um eine gute Route quer zum Wind zu gleiten.
Das hat den Vorteil, das man länger über die Abrisskanten fliegen kann und irgendwann auf dem weg dann ein Bläschen erwischen kann. Ich umfliege die Kühltürme von Grafenherrenfeld. Ich hätte zwar die Höhe gehabt über die Kontrollzone um diese einzufliegen, aber ich sehe keinen Wasserdampf.
Die Bedingungen sind nun ganz angenehm ruhig und soft. Ich zentriere zum Spaß einhändig, lese Whats App Nachrichten und schicke mal ein Livebild.?Ich komme auch so 250m über Schweinfurt an und kann mir einem Landeplatz am Main neben dem Bahnhof anschauen. Aber es geht über dem Ort wie gedacht wieder hoch. Der Ort hat ein schönes Freibad. Einen Kilometer weiter drehen auch Segelflieger, die aber auch nicht schneller als ich steigen. Der Bart ist also groß und ich versuche das beste Steigen zu finden und lasse mich zu ihnen versetzen.Meine Gopro hat schon länger den Geist wegen leerem Akku aufgegeben.
Also habe ich noch ein paar Bilder mit dem Handy geschossen, bis das auch leer war inkl. meiner Backup Flugaufzeichnung per Skylogger. Ralph Schöffel fragte mich per Whats App, ob ich schon einen Rückholer hätte. Bernd Stahl hatte mich bei seinem Flug vom Edelweiß nach Würzburg gesehen und ist mir hinterher gefahren, hatte meine Handynummer aber nicht. Das ist ja ein Hammer Service. Falls noch jemand meine Nummer haben will, sehr gerne :-).

Da ich in Haßfurt vor 20 Jahren schonmal gelandet war, gleite über das thermisch bessere Hochplateau mit Rückenwind weiter. Es ist gleich halb 5 und die Thermik sollte nun langsam zu schwach werden um noch Höhe zu gewinnen. Egal. Ich versuche bis an die Hesselberge bei Königsberg zu kommen. Wie ich von Bernd später erfahre, ist er da auch schon geflogen, wo ich sie anpeilte.
Die sollten als Abrißkante dienen und das Plateau mit dem Wind dahinter sollte noch ein paar Warmluftpolster für mich bereit halten.
Ich erwische schon von vor dem Ort einen Bart über den zu der Jahreszeit langsam immer trockener werdenden Feldern. Den Bart nehme ich natürlich mit und lasse mich komfortabel über den Wald der Hesselberge versetzen und steige wieder ganz ruhig auf 1600m auf. Super.
Ich schalte nun auf Waldgebiete als Abrißkante und Warmluftreservoir um und versuche noch einer großen Abschattung auszuweichen, was wieder mit 1700m höhe belohnt wird.
Ich fliege viel Zick Zack Kurse an dem Tag. Aber was soll man machen. Schnell fliegen geht an so einem Tag nicht. Oben bleiben ist das Motto.
Ich merke, das ich doch meine 174km schlagen kann. Ich brauche dafür zwar knapp doppelt so lang, aber egal.
Auf meiner FreeFlight App sehe ich noch eine hervorgehobene Thermikquelle über dem Wald südlich von Coburg. Ich fliege nun nur noch für bestes Gleiten ohne Beschleuniger, um möglichst hoch anzukommen. Doch die 100 Meter über dem Wald langen nicht mehr ganz. Ein Vogel dreht über mir. Ich kreise mit. Wenn er hoch kommt, komme ich auch hoch weiß ich ja. Doch er fliegt nach einem Kreis weiter nach Süden. Das würde ohne Steigen aber nicht für mich langen um sicher zu einem Landeplatz zu kommen. Ich drehe nach kurzer Verfolgung um und lande glücklich an der Straße neben der Autobahnzufahrt.

Was ein Tag. Wer hätte das gedacht. Irgendwie scheine ich das absaufen verlernt zu haben. Aber das  werde ich schon wieder lernen.
Es war ein sehr lehrreicher Tag bei den schwierigen Bedingungen. Ich warte mal auf einen guten Tag um von Schrießheim auf einer ähnlichen Richtung mal weiter zu fliegen. Aber auch für ein FAI Dreieck, war es ein guter Tag das Gelände bis Miltenberg kennen zu lernen.
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Kommentare
geschrieben von Armin Harich
Armin Harich
Danke. Der Tag gab bei uns eigentlich auch nichts nennenswertes her. Mit Ausdauer, Zähigkeit und Flugzeit hats dann doch noch geklappt. Das Tieffliegen hat aber den Vorteil, das man mehr von den Orten und der Gegend sieht.
geschrieben von Daniel Menet
Super Flug, Armin! Gratuliere. Da musstest Du Dich oft tief unten wieder ausgraben. Ich war heute mit meinem Sohn Tandem fliegen - bei uns gab der Tag leider nichts nennenswertes her.
geschrieben von Armin Harich
Armin Harich
Die Optimiertung läuft nun seit 10 Minuten. Ich glaube ich darf nicht so lange fliegen, Es sprengt wohl den Punktezähler